Gepostet vonMichael

Projekttag 11, Barangay Lapay, Tanauan

Gepostet am Jan 17, 2018

Spontane Planänderungen wegen Regen Die Einrichtung der Volunteers of the Visayans kämpfte mit Überschwemmungen und der RTR-Plaza, ein großer öffentlicher Platz in Tacloban, war nicht überdacht. Die gewöhnlich wimmelbildähnlichen Straßen waren fast menschenleer. Und auch die Schulen waren wegen des Regens geschlossen. Wo also hin mit unserem Circus-Angebot? Schließlich bot uns die Organisation „The Lighthouse – Kids International Ministry“ an, uns auf einer ihrer Essens-Ausgabe-Touren in die Randgebiete Taclobans mitzunehmen. Diese ursprünglich in Manila angesiedelte Organisation ist seit dem großen Taifun Hayan auch in Tacloban ansässig. Sie verteilen Essen überall, wo es nötig ist. Jeden Tag kochen sie mit Essensspenden eine riesige Portion Lugaw, ein Reis–Soja–Porridge mit frischem Gemüse und Ei, und fahren damit durch die Barangays. Wir begleiteten sie heute nach Tanauan in die Barangay Lapay, etwa eine halbe Stunde von Tacloban entfernt. Das Wetter meinte es gut mit uns. Es regnete nicht und die Sonne traute sich ein wenig heraus. Einer der Mitarbeiter erzählte uns auf dem Weg von seinen Erlebnissen während des Taifuns. Obwohl es jetzt schon vier Jahre her ist, ist Hayan immer noch sehr präsent. Viele erzählen, was ihnen damals passiert ist, wen sie verloren haben und wie es kurz danach aussah. Auf unserem Weg sahen wir mehrere Gedenkstätten, die an die Katastrophe erinnern sollen und wir fuhren an der Strecke entlang, die damals in den Nachrichten auf der ganzen Welt gezeigt wurde. Dann verließen wir die Stadt, die Häuschen wurden kleiner und weniger. Das schlammige, braune Wasser der angeschwollenen Flüsse reichte bis dicht unter die Brücken. Die Fischer schöpften ihre vollgelaufenen Boote leer. Ein Filipino ritt am Straßenrand auf seinem Wasserbüffel, der kurz vorher offensichtlich ein Schlammbad genossen hatte. Viele Straßen waren überschwemmt, Häuschen standen im Wasser. Wo es nur ging, war Wäsche aufgehängt, die in naher Zukunft wohl nicht trocknen würde. Ein paar Kinder tobten durch riesige Pfützen. In Lapay angekommen, machten wir mehrere Stopps um das Essen auszugeben. Jeder, der Essen brauchte durfte sich kostenlos so viel er brauchte abholen. Und das taten sie auch. Sobald die Kinder das Auto sahen rannten sie nach Hause, um ein Gefäß zum Einfüllen zu holen. Vor Ort angekommen, wurden wir gleich neugierig von einigen Kindern begrüßt und auf den Dorfbasketballplatz eskortiert. Innerhalb von Minuten bildete sich eine Traube von Kindern um uns und die Zirkuskoffer. Der Kinderhaufen schwappte von Station zu Station und begutachtete alles, was herausgeholt wurde ganz genau. Die Schule gegenüber war heute nicht geschlossen, aber die Lehrerin war so begeistert, dass sie gemeinsam mit den Schulkindern an unserem Angebot teilnahm. Sie bekam am Ende der Spielzeit die Jonglierbälle gespendet und versprach, mit den Kindern fleißig weiter zu üben. Von der philippinischen Schüchternheit, die uns an einigen Orten begegnet ist, war in Lapay nicht viel zu spüren. Geschickt und recht selbständig eroberten sie die einzelnen Stationen. Der Regen machte genau für die Dauer des Projektes eine Pause. Mit sanften Tropfen leitete er das Ende pünktlich ein. Während wir aufräumten, hüpfte eine Handvoll Jungs fröhlich durch den strömenden Regen. Ein kleines Mädchen duschte unter der undichten Regenrinne. Die meisten hatten sich auf der kleinen überdachten Bühne untergestellt, von wo sie uns zum Abschied fröhlich nachwinkten. Wie gut, dass es so geregnet hat, sonst wären wir hier nie gelandet....

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Projekttag 10, Basketball Court, San Jose, Tacloban

Gepostet am Jan 16, 2018

Make a switch… los geht´s nach San Jose! Aufgrund der starken Regenschauer und stellenweise Überflutungen in den letzten drei Tagen fiel heute in ganz Tacloban die Schule aus. Auch die Behörden und einige Geschäfte waren geschlossen, um die Schäden des starken Regens zu beseitigen. Teilweise waren sogar die Zufahrten zu den einzelnen Gebäuden nicht befahrbar und das Wasser stand bis zu 50 cm hoch. Deshalb hat Marie gestern kurzfristig mit Ortvorsteher von San José, der 86ten Barangay von Tacloban vereinbart, dass wir heute freundlicherweise dort auf dem Basketball Court spielen dürfen, da wir den Termin bei den geplanten Termin im J.E.S.U.S. Kids Therapy Center nun auf Mittwoch verlegt haben. Durch die zahlreichen Taifune der letzten Jahre hat die Stadt im Allgemeinen einen großen Aufschwung erhalten, zahlreiche Hotels und Bars wurden neu gebaut und es herrscht großes Gedränge auf den Straßen. San Jose hingegen hat von diesen Geldern nicht wirklich viel erhalten, dadurch ist dieser Stadtteil immer noch sehr verarmt und es gibt noch viele kaputte und verwahrloste Häuser entlang der ganzen Landzunge bis hin zum Flughafen. Für uns also ein gewaltiges Kontrastprogramm im Vergleich zum gestrigen Workshop in der gepflegten und sauberen Robinson‘s Mall. Mittags ging es los, Koffer gepackt und ab Richtung Basketballhalle am Stadtrand von Tacloban. Mit dem Multicab ging es allerdings nur bis zur Hälfte der Strecke, dann heißt es plötzlich Fahrzeugwechsel wegen Motorschaden. Rein ins nächste Taxi – und darin durften wir mit unserem Equipment hinten Platz nehmen. Da aber einige Gäste eher raus mussten, war der Ausstieg durch unser Mateiral leicht blockiert… kein Problem, sondern (ph)viel einfacher als bei uns gelöst, die drahtigen Filipinos stiegen einfach vorn über den Fahrer aus. An der Halle angekommen trafen wir dort auf vier Jungs beim Basketball, die sogleich das Feld räumten, aber trotzdem neugierig vor Ort blieben, um zu sehen, was die Gäste hier vorhaben. Auch dauerte es keine zwei Minuten, bis die ersten Kinder und Eltern am Eingang standen. Und nach schnellem Aufbau entstanden schon die ersten Straßenmalkunstwerke auf dem Platz. Anfangs waren nur wenige Kinder da, aber auch die Jungs verloren nach kurzem Herantasten jegliche Scheu und sofort waren die Stationen besetzt. Da Michi heute das Fotografieren übernahm, hatte auch ich etwas Zeit, mit den Kindern zu spielen und meine „Jonglierkünste“ zu verbessern. Sehr wissbegierig und lernfreudig schnappten sich die Kids die Jongliersachen und nach wenigen Minuten flogen die Diabolos bis unters Hallendach! Auch ein körperlich und geistig behindertes Mädchen, das vor zwei Jahren schon dabei war, erkannte uns sofort und kam freudig angelaufen, um uns sogleich zu umarmen. Zahlreiche weitere Kids vom letzten Mal waren am Start und alles Material war ständig unterwegs. Nach einer Stunde fanden schon viele Fingerpuppen den Weg Richtung Styroporhalter zum Trocknen, auch Bären und Clowns rannten nach der Fertigstellung der Masken durch die Halle. Sehr erfreulich für uns war,, dass auch die älteren Kinder und Jugendlichen sich nicht genierten und Puppen und Masken machten und gleichzeitig die kleineren Kinder unterstützen. Im Vergleich zu den letzten Projekttagen hat man schon gemerkt, dass hier die Armut noch sehr groß ist, die Kinder sind teils doch sehr ungepflegt – kein besonders guter Geruch wehte uns um die Nase – aber ein Kinderlächeln, sei es auch mit schlechten Zähnen, entschädigt viel! Letztlich haben wir heute dann doch wieder um die 80 Kinder bespielt, und es war wieder eine riesen Gaudi für alle Anwesenden, angefangen von den Kleinen bis hin zu den neugierigen Eltern, die oft heimlich über die Mauer zugeschaut haben… Wie im Flug vergingen die drei Stunden offenes Programm. Zum Abschluss erhielt jedes der Kinder ein Leuchtarmband, wenngleich es auch noch zu...

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Projekttag 9 – Autism Awareness Week, Tacloban

Gepostet am Jan 15, 2018

City of tough people / Die Stadt der Zähen Der weiße 14-Sitzer im Sprinter-Style düst unter dem bröckeligen Torbogen hindurch: „W LC ME TO T CLOB N“. Wir haben die letzte Station für den Circus de Bais erreicht: Tacloban City auf Leyte. Hier in der Hauptstadt der östlichsten Region der Philippinen leben die Warays, eine Volksgruppe, die für ihre Zähigkeit bekannt ist. Nicht nur das bröckelige Schild lässt erahnen, welche Katastrophe die Stadt und ihre Bewohner erlebt haben. Während unser Van (wie der schnelle Überlandtransport auf den Philippinen schlicht genannt wird) sich auf der langen Hauptstraße durch die vielen Menschen, Straßenhunde, Motorrad- und Fahrradtaxis schlängelt, zeichnet sich das Schicksal der Stadt deutlich gegen den grauen Himmel ab. Immer wieder ragt zwischen den Wellblechhütten die skelettartige Ruine eines stattlichen Hauses in die Höhe, die Stäbe der zerstörten Stahlträger zeigen bedrohlich in alle Richtungen. Es ist nun vier Jahre her, dass die Stadt vom stärksten Wirbelsturm der Menschheitsgeschichte getroffen wurde. Am 8. November 2013 traf Taifun Haiyan mit einer Wucht von 300 Stundenkilometer auf die Stadt an der San-Juanico-Bucht. Für Stunden wütete der Wind, ließ PKWs wie Spielzeugautos durch die Luft fliegen und deckte unzählige Dächer ab. Doch als die Überlebenden sich schon in Sicherheit wähnten, folgte die zweite Katastrophe: Der Sturm riss eine meterhohe Flutwelle vom Meer mit sich, die über die zerstörte Stadt niederrollte und große Tanker bis weit ins Landesinnere trug. Geschätzt 15.000 Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben. Heute erinnern Denkmäler, Massengräber und eben unzählige Ruinen an die Geschehnisse. Doch die Warays haben ihre Stadt wieder aus den Trümmern aufgebaut. Viele Menschen mussten ihre Häuser eigens aus den Überresten, die der Sturm ihnen hinterlassen hatte, neu zusammenzimmern. Viel Geld ist in die Stadt geflossen, inzwischen ist Tacloban zum Teil eine sehr moderne Stadt geworden, schicke Hotels und Cafés, Fast-Food-Ketten und eine riesige Einkaufs-Mall glitzern förmlich zwischen den Häuserreihen und Trümmern hervor. Und genau diese Einkaufs-Mall war der etwas ungewöhnliche erste Projekt-Einsatzort unseres Circus de Bais in Tacloban. Aber keinesfalls, wie die meisten anderen Menschen, die an diesem Sonntagnachmittag mit uns in die Mall strömten, zum Bummeln und Shoppen. Während es draußen den ganzen Tag wie aus Kübeln goss, unterstützen wir das J.E.S.U.S. Kids Therapy Center in Tacloban, die dieses Jahr Gastgeber der Autism Awareness Week sind – und dessen Eröffnungsevent auf einer großen Bühne inmitten des Einkaufszentrums stattfand! Mit Reden, Tänzen autistischer Schüler und einer Parade durch die Mall soll so auf die Integration, Förderung und Akzeptanz autistischer Kinder auf den Philippinen aufmerksam gemacht werden. Wir stellten mit unserem kulturpädagogischen Zirkusprojekt den Mitmach-Teil des Nachmittags: Nachdem die vielen anwesenden Familien mit ihren Kindern den inspirierenden Reden gelauscht hatten und bei den Tanzvorführrungen schon fleißig im Publikum mitgetanzt und -geklatscht wurde, durften die Kinder nach einer kurzen Zirkusvorführung unsererseits selbst auf die Bühne. Zwischen den Sonntagsbummlern, die das Geschehen auch von den oberen Etagen neugierig beobachteten, wurden nun fleißig Fingerpuppen gebastelt, Masken bemalt, Teller angedreht, Selfies mit der geschminkten Blume gemacht und auch das Schwungtuch war unablässig in Bewegung. Unterstützt wurden wir dabei von fünf Schülerinnen der Frisbee-Mannschaft aus Tacloban, die uns gerne bei diesem tollen Event halfen. Als der bunteste Programmpunkt des Nachmittags mit uns vorbei war, ging es zur abschließenden Parade durch die Mall. Der etwas andere Projekttag war erfolgreich – über 100 autistische und nicht autistische Kinder bekamen die Chance, an unseren Workshops teilzunehmen und gleichzeitig konnten wir mit der Präsenz in der gut besuchten Einkaufsmall ein Zeichen für die Akzeptanz und Integration autistischer Kinder auf den Philippinen setzen!...

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Projekttag 8 – Batangay Balagtas, Matag-Ob

Gepostet am Jan 12, 2018

Es geht aufs Land hinaus! Am Morgen haben wir uns mit dem Bus auf den Weg nach Balagtas, einem Ortsteil von Matag-Ob auf der Insel Leyte, gemacht. Nachdem wir die überfüllten Straßen Ormocs verlassen haben, wehte uns im Bus mit offenen bzw. keinen Fenstern sofort frische Landluft entgegen, die eine erfreuliche Abwechslung zur staubigen Großstadtluft war. Dass wir an diesen schon oft besuchten Projektort zurückkehren hat mich besonders gefreut. Balagtas, ca. eine Stunde von Ormoc entfernt, ist eine kleine Ortschaft, die von Reis- und Zuckerrohrfeldern umgeben ist und man noch viel mehr das Gefühl vermittelt bekommt, dass die Kinder überglücklich sind, dass sie beim Circus de Bais mitmachen dürfen. Zum dritten Mal seit 2012 trafen wir also auf dem Basketballplatz ein und besuchten zuerst kurz Tonja, die Mutter eines Patenkindes von maninoy, die uns, zusammen mit anderen Bewohner*innen von Balagtas, tatkräftig den ganzen Tag über unterstützte. Tonja teilte uns auch mit, dass alle Schüler*innen an diesem Tag einen Test in der Schule haben und nicht am Programm teilnehmen können. Doch da wir genau mittags ankamen haben wir nicht lange gezögert, schnell alle Materialien hergerichtet, sodass die Schulkinder in ihrer Mittagespause die Chance hatten, ein paar Jonglierbälle in die Luft zu werfen, Fingerpuppen zu basteln, sich schminken zu lassen oder mit den Seifenblasen zu spielen. Nachdem die Kinder ihre anfangs große Schüchternheit abgelegt hatten, wurden also mit dem Schulranzen auf dem Rücken bei Zirkusmusik über den Platz gesaust. Der Platz füllte sich schnell, sodass nach kurzer Zeit über 150 Kinder und Jugendliche Zirkus spielten. Auch Eltern, Nachbarn und Neugierige gesellten sich dazu und beobachteten das Geschehen mit großer Aufmerksamkeit. Nachdem die Schulkinder zurück in die Schule mussten, wurde der Platz aber keinesfalls leerer. Denn so hatten alle Kinder und Jugendlichen, die nicht in die Schule gehen können, die Möglichkeit das Zirkusangebot in vollen Zügen zu genießen. Das freute uns alle besonders, dass auch diejenigen, die aus meist finanziellen Gründen nicht in die Schule gehen können, einen einmaligen Tag geschenkt bekommen. Ich war sehr überrascht, wie hilfsbereit und höflich die Kinder und Jugendlichen waren. Sie sind mit allen Materialien sorgfältig umgegangen, haben sich beim Schminken „brav“ in eine Reihe aufgestellt und sich gegenseitig beim Basteln und Jonglieren geholfen. Viele Kinder beherrschten gar kein bzw. sehr wenig Englisch doch sobald ein Kind wusste, wie etwas funktioniert, wurde es direkt dem anderen erklärt. Zum Ende hin haben wir den fleißigen Artisten noch einen stärkenden Snack verteilt und uns mit einem abschließenden Gruppenfoto und der obligatorischen Tschüss-Rakete verabschiedet. Doch so recht wollten die Kinder den Basketballplatz nicht verlassen und haben uns also neugierig beim Einpacken der Materialien über die Schulter geschaut, mitgeholfen, uns bis zum Zaun begleitet, wo wir auf den Bus gewartet haben, und beim Einsteigen gut gelaunt hinterhergerufen „See you soon“! Somit sind wir mit einer super Stimmung in den Bus gestiegen und just in diesem Augenblick, fing es an zu regnen, sodass wir mit dem kühlen Fahrtwind im Gesicht in den Sonnenuntergang Ormocs zurückgefahren sind....

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Projekttag 7 – J.E.S.U.S Kids Therapy Center Foundation, Inc., Ormoc

Gepostet am Jan 11, 2018

Fühlen, riechen, schmecken… Die Organisation J.E.S.U.S Kids Therapy Center Foundation, Inc. wurde 2005 von Fayree P. Tayanes in Tacloban gemeinsam mit ihrer Mutter gegründet, um für ihren autistischen Sohn eine Therapiemöglichkeit vor Ort zu schaffen, da es bis dahin nur in Manila eine solche gab. Anfänglich mit ehrenamtlichen Helfern begonnen, gibt es inzwischen drei Einrichtungen mit ausgebildeten Mitarbeitern in Tacloban, Ormoc und Catbalogan auf Samar. Die Kinder und jungen Erwachsenen von 2 – 32 Jahren kommen vor oder nach der Schule für 1,5 Stunden zur Therapie in kleinen Gruppen. Die Gemeinschaft wächst stetig und es ist für die Heranwachsenden auch ein Berufsausbildungszentrum geplant. J.E.S.U.S Kids finanziert sich sowohl über Beiträge der Eltern als auch über über Spenden, welche die Kosten für die Familien decken, die sich die Therapie nicht leisten könnten. Per Pedes zu den J.E.S.U.S Kids Voll bepackt mit den Zirkuskoffern, Taschen und Matten wanderten wir durch Ormoc zu den J.E.S.U.S Kids – begleitet von neugierigen Blicken und freundlichen Zurufen der Anwohner. Von außen ist der Eingang recht unauffällig zwischen all den vielen anderen bunten Schildern, die überall großzügig aufgehängt sind. Viele Leute aus der Umgebung kennen die Organisation nicht. Die Räumlichkeiten sind klein, aber schön bunt und ordentlich eingerichtet. Beim Eintreten wurden wir direkt mit einem kleinen Freudentänzchen und einer Umarmung von einem Mädchen begrüßt. Ein kleiner Junge, der noch recht neu war, verfolgte unsere Vorbereitungen eher kritisch. Wir starteten diesmal nicht mit unserem Intro, sondern ließen die Kinder die Stationen selbst entdecken. Bei den Kleineren am Vormittag machten ein paar Mutige den Anfang und probierten die bunten Jongliergeräte und die Fingerfarben aus. Anfangs wurde alles vorsichtig beäugt und getestet, doch als das Eis gebrochen war gab es kein Halten mehr. Bei den Fingerfarben sah man die verschiedensten Techniken – vom sorgfältigen Tupfen bis zum vollen Körpereinsatz mit möglichst viel Farbe. Bei den Gipsfingern war das Befühlen des nassen Gipses für einige schöner als tatsächlich die Puppe daraus zu machen. Andere wieder präsentierten voller Stolz das fertige Püppchen. Auch bei der Schminkstation war es kein einfaches, sich bemalen zu lassen, da wurde selbst der Pinsel geschwungen und akkurat ein sauberes Quadrat neben das anderen auf dem eigenen Arm platziert. Neben den Bastelstationen fand auch der Fallschirm großen Anklang. Die einen genossen es auf oder unter dem Fallschirm zu liegen, während andere sich durch die stürmischen Fallschirmwellen robbten. Aus allen Ecken kam entzücktes Jauchzen und Quietschen. Sei es eine geglückte Tellerübergabe, die Entdeckung, dass aus Blau und Gelb Grün wird oder das Gefühl des Fallschirms, der einen leicht streift, kurz bevor er wieder nach oben steigt. Es wurde alles ausprobiert, manchmal auch herzhaft hineingebissen, dann eine spontane Umarmung und weiter zur nächsten Station. Bald waren die Kinder genauso bunt wie die Spielsachen. Mit den älteren Kindern und Jugendlichen am Nachmittag machten wir zusätzlich Luftballontierchen, einige Fallschirmspielchen und Riesenseifenblasen vor der Türe, die auch mal die Aufmerksamkeit der Nachbarn auf das unscheinbare aber wichtige Therapiezentrum lenkten. Es war ein sehr schöner Einsatz in kleinerem Rahmen – aber mit viel mehr Emotionen!...

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